Entwicklungswerk
Entwicklungsförderung INPP in Reutlingen

Was ist INPP?

Die INPP-Methode wurde in den 1970er Jahren vom britischen Psychologen Peter Blythe am Institute for Neuro-Physiological Psychology (INPP) entwickelt. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass bei Kindern mit Lern- und Verhaltensauffälligkeiten häufig noch frühkindliche Reflexe aktiv sind, die eigentlich bereits gehemmt sein sollten.
Durch jahrelange Forschung und praktische Arbeit entstand ein Ansatz, der die Entwicklung des Nervensystems in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist es, über gezielte Bewegungsprogramme die natürliche Reifung nachzuholen und bestehende Reflexe zu integrieren.
Heute wird die INPP-Methode weltweit angewendet, um Kinder in ihrer motorischen, emotionalen und kognitiven Entwicklung nachhaltig zu unterstützen.

Reflexe

Was sind frühkindliche Reflexe?
Frühkindliche Reflexe sind angeborene Bewegungsmuster, die sich bereits ab der 5. Schwangerschaftswoche entwickeln. Sie helfen dem Baby, sich im Mutterleib und nach der Geburt an seine Umgebung anzupassen und erste wichtige Entwicklungsschritte zu bewältigen.
Nach der Geburt unterstützen diese Reflexe das Kind dabei, mit neuen Anforderungen wie Schwerkraft, Bewegung und Sinneseindrücken umzugehen. Sie laufen automatisch ab und bilden die Grundlage für spätere, bewusste Bewegungen und Fähigkeiten.
Warum sind sie so wichtig?

Frühkindliche Reflexe sind die Basis für eine gesunde Entwicklung:


  • Unterstützen das Überleben und die Anpassung nach der Geburt
  • Fördern die Reifung des Gehirns und Nervensystems
  • Bilden die Grundlage für Bewegung, Gleichgewicht und Koordination
  • Helfen bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken
  • Ermöglichen die Entwicklung von bewussten Bewegungen
Was passiert danach?
Nach der Hemmung der Reflexe entwickeln sich sogenannte posturale Reaktionen.
Diese sind entscheidend für:

  • eine stabile Körperhaltung
  • ein sicheres Gleichgewicht
  • eine gute Koordination
Dadurch kann sich ein Kind sicher bewegen – ohne bewusst darüber nachdenken zu müssen.
Frühkindliche Reflexe sind ein natürlicher und wichtiger Start ins Leben –
sie bilden die Grundlage für alles, was ein Kind später lernt.
Wann können Reflexe bestehen bleiben?

In einigen Fällen werden Reflexe nicht vollständig integriert oder können später wieder aktiv werden:


  • bei neurologischen Erkrankungen (z. B. Alzheimer, Multiple Sklerose)
  • bei Schädigungen rund um die Geburt (z. B. Zerebralparese)
  • aber auch ohne erkennbare Erkrankung
Welche Auswirkungen kann das haben?

Bleiben frühkindliche Reflexe aktiv, kann das die Entwicklung beeinflussen:


  • Hinweis auf eine Unreife des zentralen Nervensystems
  • Beeinträchtigung von Lernen, Bewegung und Koordination
  • Schwierigkeiten bei der Entwicklung von höheren Fähigkeiten

Besonders betroffen sind oft die sogenannten posturalen Reaktionen, die wichtig sind für:

  • stabile Körperhaltung
  • sicheres Gleichgewicht
  • koordinierte Bewegungen

Sind diese nach dem 3,5. Lebensjahr noch nicht ausreichend entwickelt, kann das ein Hinweis darauf sein, dass das Nervensystem noch Unterstützung benötigt.

Nicht jedes Kind entwickelt sich gleich – aber wenn Reflexe bestehen bleiben,
kann gezielte Unterstützung helfen, die Entwicklung wieder in Balance zu bringen.